„Das Alter ist keine Krankheit“

Heute Morgen bin ich über diese Schlagzeile gestolpert. Das neue Buch des Tübinger Philosophen Otfried Höffe: „Die hohe Kunst des Alterns“ wurde in diesem Artikel vorgestellt und obwohl ich keine passionierte Zeitungsleserin bin, konnte ich nicht anders, als ihn zu lesen (Tages-Anzeiger von Samstag, 8. September 2018).

Nicht wenige meiner Patienten, vor allem jene, die ich wegen des Gehörs oder wegen Schwindelbeschwerden in der Praxis sehe, sind älteren Jahrgangs und ich erlebe ältere Menschen, wie sie auf ihre eigene Art mit dem Alter umgehen. Teilweise ganz zauberhaft, oder wie Höffe schreibt: „Im Idealfall entwickelt man sich wie ein guter Wein: Mit zunehmendem Alter gewinnt man an Charakter und strahlt Lebenserfahrung aus“, teilweise aber auch so, dass sie „lange leben, aber nicht alt werden wollen“.

Zwei Gedanken scheinen mir dabei ganz wichtig. Der eine bezieht sich auf den älter werdenden Menschen selbst, der andere auf die Einstellung der Gesellschaft den Älteren gegenüber. Einerseits sei es nicht so, dass man sich im Alter zurücklehnen dürfe, im Gegenteil: „Wenn man alt ist, muss man mehr tun, als da man jung war“ wusste schon J.W. v. Goethe. Andererseits würde eine materialistische Gesellschaft, die einem Jugendwahn fröne und die Momente privaten und sozialen Glücks im Miteinander zu wenig schätze, dem Alter zu wenig Anerkennung und Respekt entgegen bringen.

Die „Gesellschaft zu ändern“ scheint mir schwierig und frustrierend zu sein, aber wir alle können uns im Bewusstsein, dass wir sterblich sind, auf unser Alter vorbereiten und im Alter versuchen, jene Gelassenheit zu entwickeln, die ich an älteren Menschen so bewundere und die sie für mich zu ausserordentlich attraktiven Gesprächspartnern und manchmal auch zu Vorbildern machen.

Auch wenn das Alter per se keine Krankheit ist, so ist es leider oft von Krankheit begleitet und macht es nicht leicht, wie ein „guter Wein zu reifen“.

Die vier mit L beginnenden Aktivitäten können aber dabei helfen: Geistige und körperliche Bewegung, Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und Humor:

Laufen – Lernen – Lieben – Lachen

Ottfried Höffe: Die hohe Kunst des Alterns. Kleine Philosophie des guten Lebens (C.H.-Beck-Verlag, München 2018)

Ihre

Laufen, lernen, lieben, lachen - usterMed hno