Patienten und Ärzte – miteinander, füreinander

Liebe Patientinnen und Patienten,

gehören Sie auch zu jenen Menschen, die selten krank sind und wenn, dann kurieren Sie sich mit «abwarten und Tee trinken» aus? Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die Jahr für Jahr Krankenkassenprämien zahlen und nie davon profitieren, weil Sie Ihren Selbstbehalt nicht ausschöpfen? Willkommen im Club! Ich gehöre auch dazu.
Vielleicht mit dem Unterschied, dass ich mich darüber nicht ärgere, sondern jedes Mal mit grosser Dankbarkeit erfüllt werde, dass ich (noch?) gesund bin und mir gleichzeitig bewusst bin, dass ich durch meine Krankenkassen-Beiträge anderen Menschen eine Behandlung ermögliche, die sie sich niemals aus eigener Tasche leisten könnten.

Ich sehe die Familie vor mir, deren Kind mit zwei Jahren an Leukämie erkrankt ist und jetzt – drei Jahre (und viele Tausende Franken Gesundheitskosten) später -begeistert von ihrem ersten Kindsgi-Tag erzählt. Oder der 20-jährige Patient, der Zeit seines Lebens gelitten hat unter seiner Schuppenflechte und jetzt zum ersten Mal in seinem Leben, ohne Scham, ein kurzärmliges T-Shirt tragen kann und von einem «neuen Leben» spricht, weil er eine (kostspielige!) Immuntherapie erhalten hat. Von einer ähnlichen Therapie hat die 30-jährige Patientin profitiert, die zeitlebens wegen ihres unkontrollierten Asthmas nur im Schritttempo gehen konnte und noch nie in ihrem Leben gerannt ist. Jetzt joggt sie zweimal wöchentlich am Greifensee!
Und da wäre noch die 25jährige mit dem Melanom, die früher eine Lebenserwartung von wenigen Monaten gehabt hätte, und der 8-jährige mit Cystischer Fibrose, der sich die Seele aus dem Leib hustet und seine Familie in Angst und Schrecken versetzt und die Rheumapatientin, die nicht einmal mehr einen Bleistift halten kann und… und … und…

Ich gebe zu, wenn ich das so von «oben herab» anschaue, dann frage ich mich manchmal schon, wer all die teuren Therapien bezahlen soll, aber wenn ich den einzelnen (kranken) Menschen begegne, die davon profitieren, dann sind alle meine Bedenken wie weggefegt und ich freue mich einfach mit ihnen. Und ich freue mich, dass ich zu jenen Menschen gehöre, die gesund sind und damit meinen Teil dazu beitragen kann, dass wir uns dieses soziale System leisten können. Und dann erschrecke ich mich sehr, dass im Moment politisch daran gearbeitet wird, dieses System zu «kippen» und in ein System umzuwandeln, in dem «die Wirtschaftlichkeit regiert».

Für mich sind Menschen keine «Faktoren», und schon gar keine «wirtschaftlichen». Hinter jeder Zahl stehen ein Mensch, ein Individuum und Eltern, Grosseltern, Partner, Freunde, Kollegen. Für mich als Ärztin ist diese Entwicklung zum Verzweifeln und beschert mir schlaflose Nächte, wenn ich an meine und an andere Patienten, aber auch an meine jungen Kollegen und Kolleginnen denke, auch wenn ich mich zurücklehnen könnte («nach mir die Sintflut»), da mich diese politischen Entwicklungen als «gestandene» Ärztin wahrscheinlich nicht mehr betreffen werden.
Ich frage mich, wie Politiker einer solchen Entwicklung «zuarbeiten» können, denn sie sind doch auch «Menschen» und manchmal Patienten, Eltern, Partner und Freunde?

Wir müssen doch nur ein paar Kilometer über unseren Schweizer Tellerrand hinausblicken nach Deutschland (oder England) und wir könnten unsere Zukunft mit Globalbudget und staatlicher Medizin 1:1 voraussehen!

Kleine Anekdote am Rande: Ich habe eine Patientin mit Ohrproblemen, die in England lebt. Wir kommunizieren über Email und ich wollte einen Abstrich des Ohrsekrets. Den hat mir die Patientin auch geschickt. Nicht vom Hausarzt (war unmöglich), sondern vom Tierarzt ihrer Hunde…

Ich würde mir wünschen, dass sich in der Schweiz Patienten und Ärzte gemeinsam dafür einsetzen, dass wir uns auch weiterhin eine so hochwertige medizinische Versorgung leisten können.

Miteinander, füreinander!

Die Website der Initiative finden Sie unter https://www.aerzte-und-patienten.ch/#aerzte-und-patienten

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