Häufige Probleme im Bereich Mund

Mundtrockenheit (Xerostomie)

Vor allem Menschen im höheren Lebensalter klagen über eine sehr lästige Mundtrockenheit. In der klinischen Untersuchung werden lokale Entzündungen oder Erkrankungen der Speicheldrüsen (Ultraschall) ausgeschlossen und manchmal findet sich keine klar definierbare zugrundeliegende Erkrankung. Sehr oft sind es verschiedene Faktoren, die zur Xerostomie führen können. Ein ganz wichtiger Faktor sind Medikamente, welche regelmässig eingenommen werden müssen und als Nebenwirkung zu einer Austrocknung der Schleimhäute führen. Es gibt aber auch Allgemeinerkrankungen, die die Symptome begünstigen, wie zum Beispiel ein hoher Blutdruck, erhöhter Blutzucker, Anämien, Depressionen usw. Und nicht zuletzt werden unsere Schleimhäute im Laufe des Lebens ganz „natürlich“ trockener, was noch begünstigt wird dadurch, dass ältere Menschen nicht mehr so gerne und so viel trinken wie jüngere. Auch wenn eine „Heilung“ der Mundtrockenheit oft nicht möglich ist (vergleichbar der Trockenheit der Augen), so stehen uns doch verschiedene pflegerische Massnahmen und pflanzliche Mittel zur Verfügung, um die Beschwerden erträglicher zu machen.

Zungenbrennen (Glossodynie)

Dabei handelt es sich um ein häufiges Symptom, von dem überwiegend Frauen im mittleren oder höheren Lebensalter betroffen sind. Die Ursachen sind ausserordentlich vielfältig und können lokal bedingt sein, zum Beispiel durch eine Mundtrockenheit, Mundpflegemittel oder Zahnprothesematerialien. Manchmal ist die Glossodynie ein Symptom von Allgemeinerkrankungen wie Stoffwechselstörungen (Vitamin-, Eisenmangel), endokrine Störungen (Menopause, Diabetes mellitus) und viele weitere internistische Erkrankungen. Die Therapie besteht in der Behandlung der Grunderkrankung, im Absetzen schädigender Substanzen, in befeuchtenden Massnahmen und in der Linderung der Symptome durch lokal wirksame Medikamente oder pflanzliche Heilmittel.

Schmerzen

Leichte und immer wiederkehrende Schmerzen im Mund- und Rachenbereich sind häufig und treten vor allem bei chronischen Mundatmern, aber auch bei Rauchern auf. Primär sollten die Ursachen bekämpft werden, aber die Beschwerden können auch ganz pragmatisch mit lokal schmerzlindernden Sprays oder Lutschtabletten, bei stärkeren Schmerzen auch mit Schmerztabletten gelindert werden.
Sehr starke Schluckschmerzen, häufig verbunden mit Fieber und allgemeiner Abgeschlagenheit, treten bei den klassischen Entzündungen der Mandeln (Tonsillitis) auf. Meist sind diese viral bedingt und brauchen nicht mit Antibiotika behandelt zu werden. Ebenfalls viral ist die infektiöse Mononukleose (Pfeiffer’sches Drüsenfieber, „kissing desease“), eine hochansteckende Erkrankung, welche vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betrifft und häufig als Erstsymptom Schluckschmerzen macht, später aber auch zu Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen führen kann. Der Erreger, das Epstein-Barr-Virus EBV, befällt nicht nur die Mandeln und die Lymphknoten des Halses und anderer Lymphknotenstationen, sondern auch Milz und Leber. Diesem Umstand muss im Verlauf Rechnung getragen werden. Weist der klinische Befund nicht eindeutig auf eine virale oder bakterielle Ursache der Mandelentzündung hin, kann ein Streptokokkenschnelltest durchgeführt werden. Die bakterielle Tonsillitis (Streptokokkenangina), aber auch Scharlach, welche vom gleichen Erreger ausgelöst wird, müssen mit Antibiotika behandelt werden, um Spätkomplikationen wie rheumatisches Fieber mit Befall der Herzklappen (Endokarditis) oder ein Befall der Nieren (diffuse, hämorrhagische Glomerulonephritis) zu verhindern.
Die chronische Entzündung der Gaumenmandeln zeigt sich meist in leichten, konstanten oder immer wiederkehrenden Schluckschmerzen, aber auch durch die Bildung von sogenannten „Mandelsteinen“ (Detritus), einer Mischung aus abgestorbenen Zellen und Bakterienprodukten, welche sehr unangenehm riechen und zu Mundgeruch (Halitosis) führen können.

Gaumenmandelentfernung (Tonsillektomie),
Rachenmandelentfernung (Adenotomie)

Wenn man von Mandeln spricht, meint man meist die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae), die man bei sich selbst im Spiegel im Rachen erkennen kann. Die Gaumenmandeln sind aber nur ein Teil des sogenannten Waldeyer’schen Rachenrings, einem System aus Abwehrgewebe, zu dem auch die Rachenmandel (Adenoid, umgangssprachlich oft als „Polypen“ bezeichnet), die Zungengrundmandel (Tonsilla lingualis) und weiteres Abwehrgewebe gehört.
Früher wurden die Mandeln fast „routinemässig“ entfernt. Heute ist man bei der Indikationsstellung zur Tonsillektomie nicht zuletzt wegen des Risikos der Nachblutung weit zurückhaltender, auch wenn heute die Tonsillektomie eine häufige Routineoperation ist. Leidet ein Patient an zwei aufeinanderfolgenden Jahren dreimal unter einer akuten, bakteriellen Mandelentzündung (Streptokokken-Angina) oder hat sich sogar eine Komplikation eingestellt (Peritonsillar-, Retro- und Parapharyngealabszess), dann wird die Entfernung der Tonsillen empfohlen. Eine Entfernung der Gaumenmandeln kann auch indiziert sein, wenn sie chronisch entzündet sind und zu störendem Mundgeruch (Halitosis) führen.
Die Rachenmandel ist vor allem bei Kindern ein Thema. Die Entfernung der Rachenmandel ist indiziert, wenn durch deren Vergrösserung die Nasenatmung bei Kindern eingeschränkt ist, wenn die Kinder wegen chronischen Entzündungen des Adenoids nicht gut gedeihen oder wenn immer wieder Mittelohrentzündungen auftreten.
Ob die Entfernung der Gaumenmandeln, bzw. der Rachenmandel empfohlen ist, wir nach einer eingehenden Untersuchung durch den HNO-Arzt zusammen mit dem Patienten oder bei Kindern mit den Eltern ausführlich besprochen.
Wird eine Tonsillektomie bzw. Adenotomie durchgeführt, so geschieht das in Narkose und die Aufenthaltsdauer im Spital liegt zwischen 1-3 Tagen. Nach dem Eingriff sollten körperliche Anstrengungen minimiert werden, um das Nachblutungsrisiko möglichst gering zu halten.

Schleimhautveränderungen im Mund

Erkrankungen der Mundschleimhaut sind häufig und zeigen sich in verschiedenen Manifestationsformen. Da es sich hier oft um ein Grenzgebiet zur Dermatologie handelt kann es vorkommen, dass wechselseitige Konsultationen nötig sind. Nebst Entzündungen durch Viren (z.B. die vor allem bei Kindern gesehene „Mundfäule“) können auch Bakterien und Pilze zu Veränderungen der Mundschleimhaut führen. Viele Menschen leiden unter immer wiederkehrenden Aphthen, deren Ursache oft unbekannt bleibt und die mit lokalen Medikamenten behandelt werden können, um die Beschwerden etwas zu lindern. Nicht warten mit einem Arztbesuch sollte man bei Tumoren im Bereich des Mundes, welche bösartig sein können, insbesondere nach langjährigem Nikotin- und/oder Alkoholgenuss. Solche Veränderungen müssen chirurgisch entfernt und das Rauchen möglichst eingestellt werden.

Was tun bei Aphthen

Eine Aphthe ist eine schmerzhafte Schädigung der Schleimhaut, am häufigsten im Bereich der Mundhöhle. Die Ursachen dafür sind weitgehend unklar, aber eine gewisse genetische Prädisposition scheint eine Rolle zu spielen, da sie familiär gehäuft auftreten können. Mögliche zusätzliche Faktoren können Verletzungen der Mundschleimhaut sein (Zähne?), aber auch der Verzehr von verschiedenen Nahrungsmitteln (z.B. Nüssen) oder die Anwendung von Natriumlaurylsulfat-haltiger Zahnpasta. Stress scheint ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Aphthen zu sein.
In seltenen Fällen treten Aphthen als Folge oder im Zusammenhang mit Allgemeinerkrankungen auf (Vitamin B12-, Eisen- oder Folsäuremangel, M. Behçet, chronisch entzündliche Darmerkrankungen).
So lästig Aphthen sind, so sind sie doch meistens harmlos. Nach einer Initialphase von wenigen Tagen mit zunehmenden Schmerzen entsteht ein weisses Ulkus und danach nehmen die Schmerzen wieder ab und die Aphthe heilt in der Regel im Laufe von 1 bis 2 Wochen auch ohne Therapie narbenlos ab.
Da die Schmerzen im Vordergrund stehen, besteht die Behandlung in erster Linie darin, die Schmerzen etwas zu lindern. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die in jeder Apotheke rezeptfrei erhältlich sind (Oralmedic, Pyralvex, Bloxaphthe).
Daneben gibt es auch eine Reihe von Hausmitteln, welche die Beschwerden einer Aphte mildern. Man kann die befallenen Stellen mit Backpulver, dem Saft von Aloe vera, Teebaumöl oder Vitamin C (Tablette zermahlen) oder auch Kamillentinktur betupfen. Lindernd wirkt auch das Spülen mit grünem Tee. Damit werden die Schmerzen etwas gemildert und die Entzündung heilt schneller ab. Die regelmässige Einnahme von Vitamin C soll die Häufigkeit von Aphthen reduzieren.

Veränderungen der Zungenoberfläche

Unsere Zungenoberflächen verändern sich je nachdem, wie unser Allgemeinbefinden ist, und sie sehen bei verschiedenen Menschen ganz verschieden aus. Dennoch erschrecken wir uns manchmal über auffällige Veränderungen, wie sie zum Beispiel bei der Landkartenzunge (Lingua geographica), einer Haarzunge (Lingua villosa nigra) oder einer Faltenzunge (Lingua plicata) auftreten. In den meisten Fällen sind diese Veränderungen harmlose morphologische Varianten und machen auch keine Beschwerden, aber dennoch sollte eine Kontrolle durchgeführt werden, um die selteneren entzündlichen, aber auch allgemeinmedizinischen Erkrankungen auszuschliessen.